Alltagshelfer für alte Hunde

Alltagshelfer für alte Hunde
19. Juni 2024
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Allgemein, Erkrankung, Hund, Verletzung

Wenn Hunde älter werden kommen nach und nach mehr Herausforderungen im Alltag dazu. Wie man die Hunde möglichst lange fit halten kann könnt ihr im Blogbeitrag „Hunde fit im Alter“ nachlesen. In diesem Beitrag geht es um praktische Alltagshelfer für alte Hunde und deren Besitzer. Als meine Hündin Goldy älter und gebrechlicher wurde sind einige Hilfsmittel eingezogen die uns den Alltag sehr erleichtert haben. Diese Erfahrungen möchte ich mit euch teilen.

Die größte Herausforderung bei der Suche nach einer Alltagshilfe ist immer dass der Hund die Idee auch gut finden muss. Ich erlebe häufig dass Hundehalter keine Kosten und Mühen scheuen um ihrem Hund einen schönen Lebensabend zu ermöglichen, doch der Hund möchte die Hilfen nicht annehmen. Dann kann man den Hund dazu natürlich nicht zwingen. Manchmal hilft aber etwas Geduld. Manche Hunde merken mit der Zeit dass sie zum Beispiel besser liegen, sicherer gehen etc. wenn sie die angebotenen Hilfen annehmen.

Für mehr Stabilität

Eine Problematik mit der viele alte Hunde früher oder später konfrontiert werden ist die Hinterhandsschwäche. Diese wird oft ausgelöst durch ein Cauda-Equina-Syndrom, es gibt aber auch andere Ursachen dafür. Die Symptome kommen oft schleichend. Der Hund hat immer mehr Schwierigkeiten beim Aufstehen, kommt Treppen nur mit großem Kraftafwand hoch. Später kippt der Hund vielleicht bei einer Drehung auf die Seite oder die Beine rutschen beim Stehen auseinander. Für den Hund ist es dann eine große Erleichterungen wenn er sicheren Halt hat. Denn jedes Wegrutschen bedeutet einen zusätzlichen Kraftaufwand. Die einfachste Lösung, wenn der Hund es akzeptiert, sind Schuhe mit einer Gummisohle für die Hinterläufe. So hat der Hund sowohl beim Aufstehen, als auch beim Stehen oder sitzen auf allen Untergründen genug Halt. Hierbei muss man nur darauf achten dass der Hund nicht zu stark in den Schuhen schwitzt.

Sollte der Hund keine Schuhe mögen ist etwas Kreativität gefragt. Denn dann sollte man versuchen auf rutschigen Böden die der Hund regelmäßig nutzt Teppiche oder Gummimatten auszulegen. Das gilt vor allem auch für den Fressbereich, da Stehen am Futternapf auf einem rutschigen Boden zur Herausforderung werden kann. Falls der Hund regelmäßig Treppen nutzen oder ins Auto ein- und aussteigen muss kann ein gut sitzendes Geschirr mit Griff oder eine Tragehilfe für die Hinterhand unterstützend genutzt werden um den Hund zu sichern. 

Für erholsamen Schlaf

Was bei vielen alten Hunden ein großes Thema ist, ist der Schlafplatz. Schwierig wird es vor allem bei Hunden die eigentlich gar kein Bett bräuchten. Diese liegen oft am liebsten auf einem kühlen harten Boden. Im Alter wenn die Muskelmassen weniger wird, wird auch die Polsterung für die Gelenke weniger. Dann muss man vor alle mit Schmerzen in den Ellbogen- und Hüftgelenken rechnen. Dazu kommt dass gerade die beliebtesten Böden oft rutschig sind und dass kühle Böden nicht optimal für alte Gelenke sind.  Es ist schwierig diese Hunde davon zu überzeugen lieber ein Bett zu nutzen. Wenn ein Hund gar nicht von einem Bett zu überzeugen ist kann man versuchen sich mit Bandagen für Hüft- und Ellbogengelenke zu helfen um die Gelenke zu polstern und warm zu halten.

Ich habe aber die Erfahrung gemacht dass Kunstlederbetten mit einer relativ stabilen Matratze am ehesten angenommen werden. In diesen Betten kann sich der Untergrund etwas an die Gelenke anpassen. Sie werden trotzdem nicht zu warm und geben genug Halt um selbstständig aufzustehen. Außerdem sind sie relativ leicht zu reinigen. 

Für kleine und große Pannen

Wo wir beim nächsten Punkt wären. Denn was viele Hundehalter nicht wissen: Die Hinterhandsschwäche bringt je nach Ursache häufig im Verlauf auch eine Urin- und/oder Kotinkontinenz mit sich. (Bitte immer auch beim alten Hund eine organische Ursache wie eine Blasenentzündung oder Cushing ausschließen.) Wenn es nur ab und zu und in kleinen Mengen passiert reicht es in der Regel wenn man Betten nutzt die leicht abzuwischen oder ganz waschbar sind. Viele Hunde verlieren Kot/Urin anfangs nur im Schlaf oder beim Aufstehen. Zusätzlich kann man entweder Inkontinenzunterlagen/Wickelunterlagen oder Handtücher und dünne Decken auslegen. Für uns hat es sich bewährt dünne Fleecedecken in Stücke zu schneiden und auf die Schlafplätze zu legen. So hat man immer Decken zum wechseln und sie nehmen in der Waschmaschine nicht zu viel Platz ein.

Für den Fall dass doch mal was daneben geht hier meine Tipps für die besten Pipifleck-Mittelchen: Für Polster und Teppiche  Bactador -Mikrobiologischer Geruchs- und Flecken Entfernen. Für alle glatten Untergründe die nach Urin riechen Sagrotan – Allzweck- & Bodenreiniger.

Für ausreichend Hygiene

Falls der Hund Windeln benötigt sollte man unbedingt auf die Passform achten. Wichtig ist dass der Hund sich noch gut bewegen kann und keine Druckstellen entstehen. Für uns haben sich die Windeln von NaturePet bewährt. Sie haben eine breite Auflagefläche um den Bauch und sind auch am Schwanz durch Klettverschlüsse einstellbar. Bei einem Inkontinenten Hund muss man unbedingt auf die Hygiene achten, damit es nicht zu wunden Stellen oder sogar Madenbefall kommt. Dazu kann es nötig sein das Fell kurz zu halten und den Hund regelmäßig zu waschen. 

Zum Thema Shampoo gibt es folgendes zu beachten: Hunde haben nicht denselben Haut-Ph-Wert wie Menschen. Daher ist Babyshampoo nicht zur regelmäßigen Anwendung geeignet, sondern nur Shampoo dass für Hunde gemacht wurde. Da es für Inhaltsstoffe für Hundeshampoo leider keine vernünftige Regelung gibt, bitte unbedingt die Inhaltsstoffe lesen! Nur weil für Hunde drauf steht sind oft nicht nur Sachen drinnen die auch für Hunde gut sind. 

Für gut geschützte Pfoten

Für Hunde die aufgrund einer Hinterhansschwäche dazu neigen mit den Pfoten zu schleifen empfehle ich dringend einen Pfoten- oder Krallenschutz zu nutzen. Denn die Folge können blutige Stellen an den Pfoten sein die sich entzünden können. Dazu eigenen sich aufklebbare Krallen-Kappen wenn nur die Krallen betroffen. Wenn auch die Pfote selbst betroffen ist nutzt man besser Schuhe.

Für eine angenehme Fressposition

Zum Thema Fressplatz möchte ich noch folgendes ergänzen: Obwohl ich für junge und gesunde Hunde keine erhöhten Fressplätze empfehle, können diese für alte Hunde sinnvoll sein. Das gilt besonders für Hunde die zum Beispiel zu Magendrehungen neigen oder an einer Kehlkopflähmung leiden. Für Hunde die schmerzhafte Veränderungen an den Vordergliedmaßen oder in der Hals- und Brustwirbelsäule haben kann die nach vorne übergebeugte Haltung beim fressen auch schmerzhaft sein. Daher empfehle ich für diese Hunde die Näpfe auf Brusthöhe aufzustellen.

Wenn Hunde älter werden verschieben sich die Prioritäten. Man erlebt weniger Abenteuer zusammen und verbringt mehr Zeit zuhause. Auch wenn mir beim schreiben dieses Blockbeitrags auffällt wie viele neue Aufgaben mit einem alten Hund dazu kommen, ist ein alter Hund den man seit vielen Jahren um sich hat etwas ganz besonderes. Ich habe jeden Tag mit meiner kleinen Goldy genossen und hoffe dass ich mit meinen Erfahrungen ein Stück dazu beitragen kann dass auch du eine schöne Zeit mit deinem alten Hund hast. 

Evelyn Nickel
Evelyn Nickel

Mein Name ist Evelyn Nickel. Ich bin ausgebildete und zertifizierte Tier­physio­therapeutin und habe mich auf Pferde spezialisiert.

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